Presse

 


 

3. Buchvorstellung bei X-TRA!:


 


 

2. Presse-Rezession bei www.queer.de:

http://www.queer.de/detail.php?article_id=22472

 

"Lavat – Gefährliche Liebe"

Coming-out in Teheran

 

Stephan Klemanns Roman "Lavat" ist ein bewegendes Buch über eine verbotene Liebe, einen tragischen Verlust und einen Neuanfang.

Was wäre, wenn unser Coming-out nicht in unserer westlichen Welt stattgefunden hätte? Wenn wir in einem "Gottesstaat" von fundamentalistischen Muezzins und Religionswächtern umgeben gewesen wären? Wenn unsere Familien nicht nur ein paar Verständnisprobleme mit unserem Interesse am gleichen Geschlecht gehabt hätten? Wenn in unserem gesamten Umfeld eigentlich höchste Geheimhaltungsstufe für einen wichtigen Teil unserer Persönlichkeit gegolten hätte?

Stephan Klemann hat mit seinem Buch "Lavat", kürzlich erschienen im kleinen österreichischen Homo Littera Verlag, ein beeindruckendes und beklemmendes Bild genau dieser Vision gezeichnet.

 

Zwei Männer, ein Park und mehrere Geständnisse

An einem Nachmittag in einem Park in Teheran gestehen sich die Studenten Rashno und Hamid ihr Interesse am eigenen Geschlecht. Hamid geht noch ein bisschen weiter. Er eröffnet Rashno, dass das Liebesgedicht, welches er ihm zum Lesen gab, seinen Weg nicht nur mit der Bitte um Korrektur zu ihm gefunden hat.

Zwar tief berührt, reagiert dieser aber nicht ganz so wie von dem Liebenden erwartet. Zwar wird Hamid damit belohnt, das Rashno nicht sofort aufspringt und wegrennt, wie man das von einem Hetero erwartet hätte, aber schnell setzt eine kleine Enttäuschung darüber ein, dass der begehrte schwule Mann eben nicht die gleichen Gefühle empfindet wie er selbst.

Trotzdem tut dieses Doppel-Coming-out beider Freundschaft keinen Abbruch. Es schweißt die beiden jungen Männer eher zusammen, die wissen, dass in ihrem Land, dem Iran, allein auf ihre Empfindungen bereits die Todesstrafe steht. So leben sie ihr Leben im Geheimen – bis Rashno eine Frau heiraten soll.

 

Die unbekannte Braut bringt alles in Rollen

Auf einer Familienfeier wird Rashno seiner zukünftigen Braut vorgestellt. Das entsetzt ihn so sehr, dass er das Tabu seiner Gesellschaft bricht. Er rennt weg und flieht zu Hamid – in der Hoffnung, dass dieser das Chaos in seinem Leben lösen kann. Schnell wird Hamid zu einem festen Bestandteil in seinem Leben, der so sehr in seinen Mittelpunkt rückt, dass aus Freundschaft endlich Liebe wird.

Eine Zeit lang ist beiden sogar ein gemeinsames Leben in einer kleinen Studentenwohnung vergönnt. Bis zu dem Tag, an dem Rashnos Familie beschließt, dass der verlorene Sohn seinen Weg zurück in die Gesellschaft finden – oder er dem Schicksal überlassen werden muss, das auf schwule Männer im Iran wartet.

Schlussendlich beginnt eine Hetzjagd, an deren Ende es Sieger, Besiegte und Verlierer gibt. Jeder Sieg ist jedoch gleichzeitig eine Niederlage.

An manchen Stellen des Romans kann man das Gefühl bekommen, dass der Autor zu stark auf Klischees setzt, doch das relativiert sich und die Geschichte nimmt ihren Lauf. Stephan Klemann führt seine Leser durch die Höhen und Tiefen einer jungen Liebe in einer feindlichen Umgebung, schürt die Verlustängste und stülpt die Verzweiflung geradezu über seinen Leser in Momenten des Verlustes.

"Lavat" zeigt eindrucksvoll, was passieren kann, wenn man sein Coming-out nicht in der Sicherheit der westlichen Welt hinter sich bringt. In klaren und deutlichen Worten beschreibt Klemann die furchtbare Situation im Iran, in der Menschenrechte mit Füßen getreten werden, und nimmt den Leser mit auf die Reise in eine fremde, bedrohliche Kultur, in der sich wohlbekannte eigene Empfindungen Platz und Raum suchen.

 

Bei all der Wut, die dieser Roman streckenweise auslöst, zeigt er auch: Liebe ist universal!

  


 

1. Presse-Rezession bei www.queer.de:

http://www.queer.de/detail.php?article_id=19945

 

"Endstation Wirklichkeit" von Stephan Klemann ist ein ebenso besonderes wie mutiges Buch. Traut sich die Community, so etwas zu lesen?

Verbinde die Begriffe Los Angeles, Glitzerwelt, Filmleben, Landleben, junge Liebe und Dorf. All das findet man auf dem Cover des Buches "Endstation Wirklichkeit" von Stephan Klemann aus dem österreichischen Homo Littera Verlag. Und all das kommt tatsächlich in dem Roman vor und ist bedeutsam für die Geschichte. Nicht nur, dass der Titel pathetisch klingt, er wird auch recht pathetisch präsentiert. Die beiden küssenden Jungs werden also irgendwann in der Wirklichkeit der US-Metropole ankommen?

Und so zieht einen das Cover direkt in die Geschichte, die auch gleich mit unerfüllten Träumen beginnt. David steht auf einer Brücke über einer Bahnstrecke und wartet auf den Sechs-Uhr-Zug. Den Grund erahnt der kluge Leser bereits in den ersten Zeilen, und das ist vom Autor klug gewählt. Zu Beginn eines jeden Kapitels springt er an diesen Punkt zurück und lässt die Geschichte Revue passieren, die dazu geführt hat, dass David kurz davor ist, sein Leben zu beenden.

 

Das Scheitern eines amerikanischen Traums

Die unerfüllten Träume des jungen David, der in einem Nest außerhalb von Los Angeles lebt, sind die Auslöser. Er möchte in die Stadt, zum Film, was erleben. Sein Freund und Geliebter Alan mag dieses Landleben jedoch und möchte weder weg noch diese Idylle durch ein Coming-out aufs Spiel setzen. Die Beziehung zerbricht, der Schritt aus dem Schrank geht schief und David ist auf dem Weg in die große Stadt.

Wir kennen alle das Klischee des amerikanischen Traumes. Der Junge kommt in die große Stadt, und dort ist es ist natürlich nicht leicht. Er muss sich durchschlagen, mit schlecht bezahlten Jobs, wenig Chancen und der immer bangen Frage, wann der Punkt kommt, an dem man besser aufgibt und geht. Doch David bekommt zufällig Kontakte zum schwulen Pornofilm und lernt dort Mike, den Tonmann, kennen und schnell lieben. Und als wäre mit Mike das Glück in sein Leben getreten, kommt auch die große Chance: David hat seinen Durchbruch in einem "echten" Film.

Und es hätte alles so schön sein können… – können, wohlgemerkt. Denn Klemann hat Anderes mit seinen Protagonisten vor. David dreht für einen weiteren Film in Moskau, Mike ist in Los Angeles geblieben. Ein Hotel, Alleinsein, ein attraktiver Kellner, falsche Voraussetzungen, falsche Zeit, falscher Ort, ein Leben verpfuscht.

 

Wer Monogamie vereinbart, sollte sie auch einhalten

In "Endstation Wirklichkeit" werden Klischees bemüht, die aber treffen und zu einer sinnvollen Geschichte zusammengefügt wurden. Der Leser kehrt aus schönen, skurrilen oder beklemmenden Situationen zu David auf die zugige Brücke zurück. Dabei muss man den pathetischen Schreibstil von Klemann mögen, sonst nervt er. Mir hat er sehr gut gefallen, denn die Geschichte deutet es schnell an und man sieht sich am Schluss in der Vermutung bestätigt: zentrales Thema ist die Monogamie. Und die zwar pathetische, aber auch verständliche Forderung: Wer sie vereinbart, der sollte sie auch einhalten.

Nun ist die monogame Beziehung dem Großteil der Community ja so zugänglich wie dem Teufel das Weihwasser. Das greift Klemann aber auch nicht an oder verurteilt es. Es scheint lediglich sein Ideal einer Beziehung zu sein, so wie er sie beschreibt. Fraglich ist daher, ob die Community sich überhaupt traut, so etwas zu lesen, oder es als Spinnerei abtut. David und Mike wollten die Monogamie und David hat sich nicht dran gehalten. Das bringt den Zwist, den Ärger, die Enttäuschung und das Unglück über die beiden Männer. Und ebenso pathetisch wie unversöhnlich wird hier für die Monogamie plädiert, denn in ihr liegt die Bereitschaft, sich voll und ganz an einen Mann zu binden, ohne Hintertür und Ausweichmöglichkeit.

 

Es muss doch den einen Mann für mich geben…

Die pathetischen Zeilen passen zu der Größe des Traumes, mit dem der Autor seine Seiten füllt. Und sie passen auch zu dem Traum, den er dem Leser einflüstert. Es muss doch da draußen den einen Mann für mich geben, mit dem das auch für mich möglich ist? Wer ihn noch sucht, der wird nach diesem Buch gern weiter suchen. Wer ihn schon hat, wird beim Lesen an seine Seite oder auf das gemeinsame Foto schauen und sich einfach nur sagen: "Geht doch!".

 

Ein tolles Buch, das mit 9,90 € für nur 136 Seiten broschiertes Format auf den ersten Blick nur noch so halb im Rahmen liegt. Der Mut, dieses Geld für Klemanns Roman dann doch auszugeben, wird aber mit einer mutigen und schönen Geschichte belohnt, die in der heutigen "Ich kann doch alles und jeden vögeln, wenn ich es nur will"-Welt ihresgleichen sucht.