06.10.2015 - Rezension zu "Schatten auf dem Regenbogen" 

http://www.amazon.de/dp/3902885661 

© HOMO Littera 

 

"Ich bin sehr gut in das Geschehen herein gekommen. Direkt ab der ersten Seite ist man als Leser gefesselt und befindet sich direkt mittendrin ohne sich zunächst in das Setting "hineintasten" zu müssen. Der Schreibstil ist recht einfach gehalten, aber dadurch sehr flüssig zu lesen. Auch die Charaktere wirkten authentisch und waren allesamt auf ihre Art und Weise verschieden, wodurch Verwechslungsgefahren ausgeschlossen waren. Hauptsächlich begleitet man Kevin und Sebastian, den Leadsänger der Band Sunrisers durch das Geschehen. Beide sehen sich unterschiedlichen Problemen konfrontiert. Während Sebastian mit der Tatsache auszukommen versucht, dass er für sich entdeckt hat, dass er auf Männer steht, versucht Kevin akribisch das Mysterium um Franks' Tod zu lösen.
Durch die kurzen und abwechslungsreichen Kapitel wird die Handlung sehr zügig vorran getrieben. Zum einen sorgt dies für viele Spannungsmomente, andererseits überschlagen sich dadurch auch zu viele Ereignisse. Vielleicht wären hier ein paar Seiten mehr besser gewesen, um der Story mehr Raum zu geben sich zu entfalten. Zudem passieren zwischenzeitlich einige Dinge etwas zu "zufällig", wodurch diese Geschehnisse an Glaubwürdigkeit verlieren. Gepunktet hat das Buch wiederum mit seinen schönen Rückblenden, die Frank auch für den Leser überaus lebendig werden lassen, obwohl er bereits tot ist."

 

"Mit Schatten auf dem Regenbogen greift Stephan Klemann ein brisantes und immer noch sehr aktuelles Thema auf: Homosexualität in der Öffentlichkeit. Darf man sich outen oder schadet es wirklich der Karriere?

Der Schreibstil des Autors ist leicht und flüssig und somit leicht zu lesen. Die Charaktere und auch die Geschichte wurden authentisch und detailliert beschrieben und dadurch wirkten sie glaubwürdig. Zudem wurde die Liebesbeziehung zwischen Kevin und Sebastian sehr emotional und spannend geschrieben, so dass der Leser regelrecht in einem Sog mitgezogen wird. Ich konnte dieses Buch kaum aus den Händen legen. Das Thema der Story gefiel mir sehr gut und wurde auch sehr gut ausgearbeitet. Was mir leider nicht gefallen hat, war, dass in diesem ca. 200seitigen Buch zu viele Handlungen reingepackt worden sind. Zeitweise ging es so rasant zu, dass sich die Geschehnisse fast überschlugen und man teilweise gar nicht mehr wußte, was überhaupt passiert ist. Hier hätte ich mir 100 bis 150 Seiten mehr gewünscht, so dass die Geschichte runder geworden wäre. Nichts desto trotz war ein schönes Leseerlebnis und mir hat sie sehr gut gefallen."

 

"Mir hat die Geschichte sehr gut gefallen .Die beiden Protagonisten sind sehr gut ausgearbeitet und man merkt das da mit Herzblut eine Story erzählt wird ,die einen in ihren Bann zieht .Beide Männer müssen mit sich und ihrer Art zu lieben erst mal klar kommen ,was an sich ja nicht einfach ist,dank der immer noch nicht unbedingt toleranten Gesellschaft . Und dann im Falle von Kevin auch noch noch mit dem Tod des Menschen ,den er liebte.Und dann trifft er auf Sebastian und muss sich mit der Frage ob er diese neue Liebe zulassen kann und darf so kurz nach Fabians Tod auseinandersetzten.
Alles in allem ein sehr schönes Buch das sich super gelesen hat und mir Lust auf die anderen Bücher des Autors gemacht hat.Das Cover gefällt mir auch sehr gut ,passt sehr schön von den Farben und der Aufmachung her ,was für mich immer wichtig ist."

 

"Der Roman ist flüssig, locker, spannend, teilweise beklemmend und fesselnd geschrieben und hat mich von Anfang an gefangen genommen.
Ich konnte mich sofort gut in die Geschichte einlesen und hatte das Gefühl direkt im Geschehen zu stehen.
Der Spannungsbogen wurde im gesamten Buch aufrecht erhalten und die tiefen Emotionen haben mir sehr gut gefallen. Schon nach den ersten Seiten konnte ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen.
Ich konnte mich sehr gut in die Gefühlswelt beider Hauptpersonen rein versetzen, die mir sofort sympathisch waren.
Kevin, der seinen ersten festen Freund verliert, ist am Boden zerstört. Von Rache geplagt und den Wunsch den Tod von Frank aufzuklären, trifft er auf die Gruppe Sunrises. Die Anziehungskraft zwischen Sebastian und ihm ist sofort spürbar, aber er hat wegen Frank ein schlechtes Gewissen.
Sebastian steckt noch mitten im Konflikt und ihm wird bewußt, dass er eigentlich auf Männer steht. Nach einem One-Night-Stand ist er sich sicher. Als Kevin ihn aus einer brenzligen Situation rettet, fühlt er sich direkt zu ihm hingezogen und will ihn in seiner Nähe haben. Aber Sebastian ist einfach noch nicht bereit sich zu outen, auch wegen seiner Karriere und Freunde nicht.
Auch die weiteren Charaktere waren mir sympathisch, gut ausgearbeitet und haben die Geschichte gut abgerundet.
Die Örtlichkeiten und das Geschehen rundherum sind gut beschrieben, was mich noch besser in die Geschichte hinein finden ließ.

Dieses Buch hat mich berührt und bereitete mir Freude beim Lesen, auch wenn mir alles in allem die Story sehr gut gefallen hat, hätte ich sie mir noch etwas ausführlicher mit etwas mehr Tiefe bei den Charakteren gewünscht. Die Gefühlskonflikt der Hauptpersonen kommt gut zur Geltung, aber aufgrund der wenigen Beschreibungen konnte ich mir einfach kein äußeres Bild von ihnen machen.
Ab und zu war mit die Handlung zu übereilt, da hätte ich mir etwas mehr Details gewünscht.
Trotzdem ist es eine wunderschöne Lovestory, die ich nur weiter empfehlen kann.
Ein Roman, der ein paar schöne Lesestunden garantiert.
Das Cover ist ansprechend und aufwendig gestaltet. Die Farben geben dem Cover einen besonderen Charme. Das Cover und auch der Titel stehen im Einklang mit dem Buch.

Von mir gibt es eine Leseempfehlung und 4,5 Sterne. "

 

"Gott sei dank, die spannende, gut lesbare Romance hat ein sehr anrührendes Ende, hat mir gut gefallen."

 


 

 

07.09.2015 - Rezension zu "Schatten auf dem Regenbogen" 

(www.lovelybooks.de)

 

 

© HOMO Littera

 

  

Hier Links zu Rezensionen:

http://www.lovelybooks.de/autor/Stephan-Klemann/Schatten-auf-dem-Regenbogen-1171670075-w/rezension/1189975693/

Regenbogen-1171670075-w/rezension/1190280454/

http://www.lovelybooks.de/autor/Stephan-Klemann/Schatten-auf-dem-Regenbogen-1171670075-w/rezension/1194005045/

http://www.lovelybooks.de/autor/Stephan-Klemann/Schatten-auf-dem-Regenbogen-1171670075-w/rezension/1194909286/

http://www.lovelybooks.de/autor/Stephan-Klemann/Schatten-auf-dem-Regenbogen-1171670075-w/rezension/1194925029/1194931139/

http://www.lovelybooks.de/autor/Stephan-Klemann/Schatten-auf-dem-Regenbogen-1171670075-w/rezension/1196236716/

 

 


 

12.10.2014 - Rezension zu "Lavat - Gefährliche Liebe"

www.queer.de

(Original hier) 

"Lavat – Gefährliche Liebe"

Coming-out in Teheran

Drastisches Cover: Stephan Klemann hat seinen Roman zwei jungen Iranern gewidmet, die aufgrund ihrer Homosexualität gehängt wurden
Drastisches Cover: Stephan Klemann hat seinen Roman zwei jungen Iranern gewidmet, die aufgrund ihrer Homosexualität gehängt wurden

Stephan Klemanns Roman "Lavat" ist ein bewegendes Buch über eine verbotene Liebe, einen tragischen Verlust und einen Neuanfang.

Von Frank Hebenstreit

Was wäre, wenn unser Coming-out nicht in unserer westlichen Welt stattgefunden hätte? Wenn wir in einem "Gottesstaat" von fundamentalistischen Muezzins und Religionswächtern umgeben gewesen wären? Wenn unsere Familien nicht nur ein paar Verständnisprobleme mit unserem Interesse am gleichen Geschlecht gehabt hätten? Wenn in unserem gesamten Umfeld eigentlich höchste Geheimhaltungsstufe für einen wichtigen Teil unserer Persönlichkeit gegolten hätte?

Stephan Klemann hat mit seinem Buch "Lavat", kürzlich erschienen im kleinen österreichischen Homo Littera Verla, ein beeindruckendes und beklemmendes Bild genau dieser Vision gezeichnet.

Zwei Männer, ein Park und mehrere Geständnisse

An einem Nachmittag in einem Park in Teheran gestehen sich die Studenten Rashno und Hamid ihr Interesse am eigenen Geschlecht. Hamid geht noch ein bisschen weiter. Er eröffnet Rashno, dass das Liebesgedicht, welches er ihm zum Lesen gab, seinen Weg nicht nur mit der Bitte um Korrektur zu ihm gefunden hat. 

Zwar tief berührt, reagiert dieser aber nicht ganz so wie von dem Liebenden erwartet. Zwar wird Hamid damit belohnt, das Rashno nicht sofort aufspringt und wegrennt, wie man das von einem Hetero erwartet hätte, aber schnell setzt eine kleine Enttäuschung darüber ein, dass der begehrte schwule Mann eben nicht die gleichen Gefühle empfindet wie er selbst.

Trotzdem tut dieses Doppel-Coming-out beider Freundschaft keinen Abbruch. Es schweißt die beiden jungen Männer eher zusammen, die wissen, dass in ihrem Land, dem Iran, allein auf ihre Empfindungen bereits die Todesstrafe steht. So leben sie ihr Leben im Geheimen – bis Rashno eine Frau heiraten soll. 

Die unbekannte Braut bringt alles in Rollen

Stephan Klemann., Jahrgang 1962, hatte sein Coming-out erst im Alter von 32 Jahren. "Lavat" ist sein zweiter Roman - Quelle: privat
Stephan Klemann., Jahrgang 1962, hatte sein Coming-out erst im Alter von 32 Jahren. "Lavat" ist sein zweiter Roman
Bild: privat

Auf einer Familienfeier wird Rashno seiner zukünftigen Braut vorgestellt. Das entsetzt ihn so sehr, dass er das Tabu seiner Gesellschaft bricht. Er rennt weg und flieht zu Hamid – in der Hoffnung, dass dieser das Chaos in seinem Leben lösen kann. Schnell wird Hamid zu einem festen Bestandteil in seinem Leben, der so sehr in seinen Mittelpunkt rückt, dass aus Freundschaft endlich Liebe wird.

Eine Zeit lang ist beiden sogar ein gemeinsames Leben in einer kleinen Studentenwohnung vergönnt. Bis zu dem Tag, an dem Rashnos Familie beschließt, dass der verlorene Sohn seinen Weg zurück in die Gesellschaft finden – oder er dem Schicksal überlassen werden muss, das auf schwule Männer im Iran wartet. Dem Strang!

Schlussendlich beginnt eine Hetzjagd, an deren Ende es Sieger, Besiegte und Verlierer gibt. Jeder Sieg ist jedoch gleichzeitig eine Niederlage.

An manchen Stellen des Romans kann man das Gefühl bekommen, dass der Autor zu stark auf Klischees setzt, doch das relativiert sich, und die Geschichte nimmt ihren Lauf. Stephan Klemann führt seine Leser durch die Höhen und Tiefen einer jungen Liebe in einer feindlichen Umgebung, schürt die Verlustängste und stülpt die Verzweiflung geradezu über seinen Leser in Momenten des Verlustes. 

"Lavat" zeigt eindrucksvoll, was passieren kann, wenn man sein Coming-out nicht in der Sicherheit der westlichen Welt hinter sich bringt. In klaren und deutlichen Worten beschreibt Klemann die furchtbare Situation im Iran, in der Menschenrechte mit Füßen getreten werden, und nimmt den Leser mit auf die Reise in eine fremde, bedrohliche Kultur, in der sich wohlbekannte eigene Empfindungen Platz und Raum suchen. 

Bei all der Wut, die dieser Roman streckenweise auslöst, zeigt er auch: Liebe ist universal!

 


 

28.09.2014 - Rezension zu "Lavat - Gefährliche Liebe"

www.lovelybooksd.de/Starbucks

(Original hier) 

© HOMO Littera

 

Stephan Klemann, der selbst homosexuell ist, hat sich in „Lavat – Gefährliche Liebe“ eines Themas angenommen, das bisher eher wenig beachtet wird: die Gefahr einer homosexuellen Liebe im Iran. Schlägt man das Buch auf, so blickt man auf ein grausames Bild einer Exekution von zwei sehr jungen homosexuellen Männern, die wegen ihrer Liebe sterben mussten. So ist von Anfang an klar: Dieser rein fiktionale Roman erinnert an so viele Iraner, die das gleiche Schicksal ereilt hat. Von reiner Fiktion ist damit für mich nicht mehr viel übrig.

Zum Inhalt: Rashno und Hamit lieben einander, müssen dies aber im Iran geheim halten. Doch Rashno soll verheiratet werden, ein Schicksal, eine Lüge, mit der er nicht leben kann. Die Offenbarung seiner Homosexualität ist wie ein Todesurteil…

Klemann hat damit ein Thema angesprochen, das mehr Öffentlichkeit braucht. Es ist daher gut, dass er mit seinem Roman auf diese Missstände aufmerksam macht. Der Autor hat es aber auch geschafft, nicht nur einen zutiefst erschütternden und schockierenden Roman zu schreiben, sondern den Leser auch emotional mitzureißen und eine spannende Geschichte zu liefern. 

Das Buch ist in zwei Teile gegliedert: Der erste Teil spielt im Iran, der zweite in Deutschland. Nach der Brutalität im Iran ist es schön, sich dann ein wenig ‚erholen‘ zu dürfen. Obwohl das Buch nur 167 Seiten hat, hat man das Gefühl, dass sehr viel passiert. Einziger Kritikpunkt für mich: Ich hätte gern auch mehr Seiten gelesen, wenn man die Zeilenabstände etwas vergrößert und den Rand etwas breiter gelassen hätte. Ganz leserfreundlich finde ich den Schriftsatz so nicht. 

Alles in allem ist „Lavat – Gefährliche Liebe“ durchaus nicht nur ein Buch für homosexuelle Leser – zu diesen zähle ich mich auch nicht. Der Verlag ‚Homolittera‘ schreckt hoffentlich andere Leser nicht ab, denn das Thema geht wirklich jeden an. Absolute Leseempfehlung und volle Sternzahl!

 


 

27.08.2014 - Rezension zu "Lavat - Gefährliche Liebe"

www.lovelybooksd.de/SmilingKatinka

(Original hier) 

© HOMO Littera

 

Wer verliebt ist, möchte das am Liebsten laut in die Welt hinausschreien. Wer zum ersten mal so richtig verliebt ist, tut dies auch meist.  Was aber, wenn einem die eigenen Gefühle das Leben kosten können? Was, wenn einem die Religion und die Gesellschaft vorschreiben, wie geliebt werden darf und das Entdecken der eigenen Homosexualität nicht nur Unsicherheit weckt, sondern sogar das Leben kosten kann? Wenn nicht nur die Religion, sondern auch die Familie zur Gefahr für das eigene Leben wird? Wenn man Schweigen muss, um leben und lieben zu dürfen?

„Lavat“ handelt genau von diesem Problem. Rashno, ein junger Iraner in Teheran, entdeckt, dass er schwul ist und weiß, dass allein diese Tatsache sein Todesurteil sein kann. Seine einzige Unterstützung ist Hamid, sein bester Freund, ebenfalls schwul, der ihm nicht nur hilft, seine Homosexualität zu akzeptieren, sondern mit dem ihn auch bald ein zartes Band der Liebe verbindet. Alles könnte so schön sein, wäre da nicht Rashnos religionsfanatische Familie und die ständige Angst vor dem Strang. Die Situation spitzt sich zu, als Rashno auf einer Familienfeier seiner zukünftigen Frau vorgestellt wird.

Stephan Klemann behandelt in „Lavat“ ein oft verschwiegenes doch höchst aktuelles Thema. Homosexuelle Beziehungen sind im Iran unter Todesstrafe verboten. Eine Tatsache, die man sich hier kaum vorstellen kann, weshalb sie nur zu gern unter den Tisch gekehrt wird. Stephan Klemann möchte dies mit „Lavat“ ändern. Einfühlsam und doch schonungslos führt er den Leser in die Welt Rashnos. Gerade in den Gewaltszenen wird zwar detailliert beschrieben, aber auf bluttriefende Szenen verzichtet, was den Leser davor bewahrt, vor der ganzen Grausamkeit sein Innerstes zu verschließen. Man leidet mit Rashno und ab einem gewissen Punkt lässt einen das beklemmende Gefühl nicht los.

Nach dem sehr brutalen Teil im Iran folgt ein weitaus harmonischerer Teil in Deutschland. Auch wenn es nicht an Gewalt fehlt, so ging es mir hier doch ein wenig zu harmonisch, zu glatt und hindernislos. Doch das sei nach dem Martyrium im ersten Teil des Buches verziehen. Außerdem entschädigt einen dafür der schöne Schreibstil des Autors, der einen wirklich von der ersten Seite an fesselt.

Ein wirklich gutes Buch über ein sehr ernstes und aktuelles Thema, das leider viel zu oft totgeschwiegen wird.

 


 

27.08.2014 - Rezension zu "Lavat - Gefährliche Liebe"

www.lovelybooksd.de/

(Original hier) 

© HOMO Littera

 

Mit „Lavat“ (Begriff aus dem iranischen Gesetzbuch: Geschlechtsverkehr zwischen Männern) von Stephan Klemann legt der Homo Literra Verlag ein sehr düsteres, mitunter auch brutales Werk vor, das in vielen Punkten anders ist, als die üblichen Gay Romane. Das ist durchaus positiv zu sehen, wagt sich der Autor doch an ein brisantes, oftmals vergessenes Thema – der Verfolgung und Hinrichtung von Homosexuellen in anderen Ländern.

Inhaltlich ist der Roman in zwei Teile untergliedert: Iran und Deutschland. Der erste Part ist wesentlich umfangreicher und schildert Rashnos Erlebnisse im Iran, seine geheime Beziehung zu Hamid und die brutal-fanatischen Reaktionen seiner Familie auf Rashnos ungewolltes Coming-Out. In diesem Abschnitt wird dem Leser einiges abverlangt, denn der Autor nimmt kein Blatt vor den Mund. Mit brachialer Genauigkeit schildert er, wie Rashno von seinem Vater und Brüdern verprügelt wird, wie es ihm im Gefängnis ergeht und was mit seinem Freund Hamid passiert. Dieser Teil von „Lavat“ ist nichts für zarte Gemüter, wenngleich sich hier einige kleinere Ungenauigkeiten bei den Beschreibungen einschleichen. Doch darüber kann man durchaus hinwegsehen, da der Rest spannend, packend und sehr realistisch beschrieben ist.

Der zweite Teil der Geschichte spielt in Deutschland und begleitet Rashno auf seinem Weg in ein neues Leben. Hierbei geht Stephan Klemann erneut ins Detail – Rashnos Asylantrag, seine ersten Tag in einer vollkommen neuen Welt und die Ängste, dass seine Familie doch noch auftaucht, um ihn zurück zu bringen. Auch findet er in Jan eine neue Liebe, wenngleich dies dem Leser fast ein wenig schnell geht. Es wäre schön gewesen, wenn sich der Autor auch mit diesem Teil mehr Zeit gelassen hätte – es läuft fast zu glatt für Rashno. Man hätte mehr in die Tiefe gehen können – auch psychisch (immerhin hinterlässt solch ein schreckliches Erlebnis garantiert ein Trauma)– um Rashno besser zu beleuchten. Leider wird hier deutlich gespart, was schade ist.

Die Charaktere sind gut umgesetzt und wachsen dem Leser mit jeder Seite ans Herz. Insbesondere Rashno, Hamid und später auch Jan sind sympathische Figuren, mit denen man mitfiebert- und leidet. Allerdings mangelt es doch immer wieder an emotionalem Tiefgang –man erlebt die tragischen Ereignisse mit, doch es fällt ein wenig schwer, sich richtig in Rashno hineinzudenken. Stephan Klemann beschreibt durchaus Rashnos Empfindungen, seine Ängste und Sorgen, doch nicht immer kommen diese Punkte auch beim Leser an. Das fällt besonders stark beim Part in Deutschland auf, wo alles ein wenig zu schnell geht, wenngleich man Rashno natürlich sein Glück gönnt. Trotz des kleinen Kritikpunktes sind die Figuren gut ausgearbeitet, handeln logisch und sind in sich stimmig.

Dafür kann „Lavat“ stilistisch punkten. Stephan Klemann hat einen sehr schönen, flüssigen, detailreichen Schreibstil. Er nimmt kein Blatt vor den Mund, beschreibt sehr genau, was mit Hamid und Rashno passiert und wie extrem die Regierung des Iran gegen Homosexuelle vorgeht. Hierbei ist offensichtlich, dass der Autor genau recherchiert und sich mit der Materie beschäftigt hat. So lässt er immer wieder sprachliche Begriffe einfließen und beschreibt die Stadt Teheran sehr bildhaft.

Auch die Tatsache, dass sich Stephan Klemann mit erotischen Szenen zurückhält und diese bestenfalls andeutet, wirken sich positiv auf das Gesamtbild aus – in einem solchen Buch würde zu viel Erotik nicht passen. Es ist gut, dass der Autor seinen Schwerpunkt auf die Handlung legt und die Liebesgeschichte nur am Rand vorantreibt.

Fazit:
„Lavat“ ist ein schön geschriebener, fesselnder, aber auch brutaler Roman, der vor Augen führt, was oftmals vergessen wird. Stephan Klemann hat sich an ein schwieriges Thema gewagt und es überzeugend und sensibel umgesetzt. Über kleinere Schwächen kann man hinwegsehen, da die Gesamtheit stimmt und den Leser nachdenklich zurücklässt. Wer ernste Gay Lektüre sucht, die ohne viel Erotik auskommt, dafür aber mit einem ernsten, teils erschreckenden Thema aufwartet und kein Problem mit der (im Iran gängigen) Brutalität hat, ist bei „Lavat“ an der richtigen Adresse – es hätte zwar tiefgründiger sein können, doch insgesamt liefert Stephan Klemann ein beachtliches Werk. Zu empfehlen.

 


 

21.08.2014 - Rezension zu "Lavat - Gefährliche Liebe"

www.lovelybooksd.de/Danny

(Originaltext hier) 

© HOMO Littera

 

"Warum wollen Sie Asyl beantragen?"

Rashno schluckte unruhig. Es war das erste Mal in seinem Leben, dass er mit einem Fremden über seine Homosexualität sprechen sollte. Etwas Undenkbares, wo er herkam. (...)

"Ich bin homosexuell", antwortete er schließlich. "Im letzten Jahr war ich im Gefängnis und wurde wegen meiner sexuellen Orientierung gefoltert. Mein Freund wurde öffentlich hingerichtet. Wenn man mich noch mal deswegen verhaftet, droht mir das Gleiche. Ich habe Angst um mein Leben." Tränen standen in seinen Augen.

Im Iran sind homosexuelle Beziehung zwischen Männern nicht nur unerwünscht, sie können auch mit dem Tode bestraft werden. Dennoch können die beiden Studenten Rashno und Hamid ihre Gefühle füreinander nicht länger verbergen. Doch sie sind gezwungen ihre Liebe zueinander geheim zu halten, dürfen ihre Zuneigung nicht öffentlich zeigen.

Rashno, der aus einer sehr religiösen und traditionsverliebten Familie kommt, erfährt auf einer Familienferier, dass er mit einer jungen Frau verheiratet werden soll. Er entscheidet sich das Unfassbare zu tun - er weigert sich und gesteht schließlich seiner Familie, dass er einen Mann liebt. Damit beginnt für ihn ein unsagbares Martyrium...

***

Wer mit "LAVAT - Gefährliche Liebe" einen leichten, unterhaltsamen und erotischen Gay-Roman erwartet, dem sollte bewusst sein, dass es sich bei diesem außergewöhnlichen Roman um durchaus schwere Kost handelt.

Ungeschönt berichtet Stephan Klemann die (fiktive) Geschichte eines jungen Iraners, der aufgrund seiner Homosexualität unsagbar Grausames erleben muss. Es mag eine fiktive Geschichte sein, doch allein schon die Widmung des Buches beweist, dass dies durchaus dem Alltag im Iran entspricht. Klemann widmet dieses Buch zwei iranischen jungen Männern, die 2005 öffentlich hingerichtet wurden  weil sie gestanden homosexuell zu sein. Es ist also nicht alles so ganz fiktiv. Was als eine schöne Liebesgeschichte zwischen Rashno und seinem Kommilitonen Hamid beginnt, entwickelt sich bald zu einem Martyrium für die beiden Männer, an dessen Ende eine grausame Exekution steht. Es ist nicht ganz leicht von so viel Grausamkeit zu lesen, wenn einem bewusst ist, dass dies grausame Realität für viele Männer im Iran ist.

Sehr gut recherchiert, einfühlsam geschrieben und informativ erzählt Klemann eine tragische, dramatische, aber auch romantische Geschichte eines bewundernswerten Protagonisten, die mir lange im Gedächtnis bleiben wird und von der ich hoffe, dass viele Menschen sie lesen werden. Es ist ein außergewöhnliches Buch, dass ein wichtiges Thema behandelt, dass noch immer stärkerer Thematisierung bedarf.

 


 

31.08.2013 - Rezension zu "Endstation Wirklichkeit"

(Original auf www.queer.de)

Verbinde die Begriffe Los Angeles, Glitzerwelt, Filmleben, Landleben, junge Liebe und Dorf. All das findet man auf dem Cover des Buches "Endstation Wirklichkeit" von Stephan Klemann aus dem österreichischen Homo Littera Verlag. Und all das kommt tatsächlich in dem Roman vor und ist bedeutsam für die Geschichte. Nicht nur, dass der Titel pathetisch klingt, er wird auch recht pathetisch präsentiert. Die beiden küssenden Jungs werden also irgendwann in der Wirklichkeit der US-Metropole ankommen? 

Und so zieht einen das Cover direkt in die Geschichte, die auch gleich mit unerfüllten Träumen beginnt. David steht auf einer Brücke über einer Bahnstrecke und wartet auf den Sechs-Uhr-Zug. Den Grund erahnt der kluge Leser bereits in den ersten Zeilen, und das ist vom Autor klug gewählt. Zu Beginn eines jeden Kapitels springt er an diesen Punkt zurück und lässt die Geschichte Revue passieren, die dazu geführt hat, dass David kurz davor ist, sein Leben zu beenden.

Das Scheitern eines amerikanischen Traums

"Endstation Wirklichkeit", erschienen im österreichischen Homo Littera Verlag, ist das Erstlingswerk von Stephan Klemann
"Endstation Wirklichkeit", erschienen im österreichischen Homo Littera Verlag, ist das Erstlingswerk von Stephan Klemann

                                              © HOMO Littera 

Die unerfüllten Träume des jungen David, der in einem Nest außerhalb von Los Angeles lebt, sind die Auslöser. Er möchte in die Stadt, zum Film, was erleben. Sein Freund und Geliebter Alan mag dieses Landleben jedoch und möchte weder weg noch diese Idylle durch ein Coming-out aufs Spiel setzen. Die Beziehung zerbricht, der Schritt aus dem Schrank geht schief und David ist auf dem Weg in die große Stadt. 

Wir kennen alle das Klischee des amerikanischen Traumes. Der Junge kommt in die große Stadt, und dort ist es ist natürlich nicht leicht. Er muss sich durchschlagen, mit schlecht bezahlten Jobs, wenig Chancen und der immer bangen Frage, wann der Punkt kommt, an dem man besser aufgibt und geht. Doch David bekommt zufällig Kontakte zum schwulen Pornofilm und lernt dort Mike, den Tonmann, kennen und schnell lieben. Und als wäre mit Mike das Glück in sein Leben getreten, kommt auch die große Chance: David hat seinen Durchbruch in einem "echten" Film. 

Und es hätte alles so schön sein können… – können, wohlgemerkt. Denn Klemann hat Anderes mit seinen Protagonisten vor. David dreht für einen weiteren Film in Moskau, Mike ist in Los Angeles geblieben. Ein Hotel, Alleinsein, ein attraktiver Kellner, falsche Voraussetzungen, falsche Zeit, falscher Ort, ein Leben verpfuscht.

Wer Monogamie vereinbart, sollte sie auch einhalten

In "Endstation Wirklichkeit" werden Klischees bemüht, die aber treffen und zu einer sinnvollen Geschichte zusammengefügt wurden. Der Leser kehrt aus schönen, skurrilen oder beklemmenden Situationen zu David auf die zugige Brücke zurück. Dabei muss man den pathetischen Schreibstil von Klemann mögen, sonst nervt er. Mir hat er sehr gut gefallen, denn die Geschichte deutet es schnell an und man sieht sich am Schluss in der Vermutung bestätigt: zentrales Thema ist die Monogamie. Und die zwar pathetische, aber auch verständliche Forderung: Wer sie vereinbart, der sollte sie auch einhalten.  

Nun ist die monogame Beziehung dem Großteil der Community ja so zugänglich wie dem Teufel das Weihwasser. Das greift Klemann aber auch nicht an oder verurteilt es. Es scheint lediglich sein Ideal einer Beziehung zu sein, so wie er sie beschreibt. Fraglich ist daher, ob die Community sich überhaupt traut, so etwas zu lesen, oder es als Spinnerei abtut. David und Mike wollten die Monogamie und David hat sich nicht dran gehalten. Das bringt den Zwist, den Ärger, die Enttäuschung und das Unglück über die beiden Männer. Und ebenso pathetisch wie unversöhnlich wird hier für die Monogamie plädiert, denn in ihr liegt die Bereitschaft, sich voll und ganz an einen Mann zu binden, ohne Hintertür und Ausweichmöglichkeit. 

Es muss doch den einen Mann für mich geben…

Die pathetischen Zeilen passen zu der Größe des Traumes, mit dem der Autor seine Seiten füllt. Und sie passen auch zu dem Traum, den er dem Leser einflüstert. Es muss doch da draußen den einen Mann für mich geben, mit dem das auch für mich möglich ist? Wer ihn noch sucht, der wird nach diesem Buch gern weiter suchen. Wer ihn schon hat, wird beim Lesen an seine Seite oder auf das gemeinsame Foto schauen und sich einfach nur sagen: "Geht doch!". 

Ein tolles Buch, das mit 9,90 € für nur 136 Seiten broschiertes Format auf den ersten Blick nur noch so halb im Rahmen liegt. Der Mut, dieses Geld für Klemanns Roman dann doch auszugeben, wird aber mit einer mutigen und schönen Geschichte belohnt, die in der heutigen "Ich kann doch alles und jeden vögeln, wenn ich es nur will"-Welt ihresgleichen sucht.

 


 

24.07.2013 - Rezension zu "Endstation Wirklichkeit"

(Original hier)

© HOMO Littera

 

Wie steht es hintenauf dem Buch: Ein Traum - zwei Welten - eine Liebe - und eine Entscheidung deren Folgen nicht schwerwiegender sein könnten!

Mit einem gelungen Drama präsentiert Stephan Klemann, sein erstes veröffentliches Werk.


Ich habe einige Tränen verdrückt beim lesen...weil ich mich immer wieder sehr gut in die Person hineinversetzen konnte...

Die Story hat mich von der ersten Seite an in den Bann gezogen.

Ein junger Mann sieht in seinem Leben keinen Sinn mehr und findet sich auf einer Brücke über den Bahnschienen wieder: Während er da steht denkt er über sein vergangenes Leben nach.. Wie sein erster Freund ihn verlassen hat, damit er glücklich wird in der Großstadt, sein Coming out vor den Eltern, seine Reise in die Stadt seiner Träume und sein Leben in der Stadt, seinem Freund, seine Suche nach einem Job im Filmbusiness und seine Erfolge und der Grund warum er auf der Brücke steht.

Mehr will ich gar nicht verraten. Das müsst ihr selbst lesen :)

Was mir sehr gut gefällt ist dieses Quasi offene Ende, man kann sich das Ende weiter stricken wie man selber möchte... werden die beiden ein Paar, bleiben Sie einfach nur gute Freunde nach diesem Kuss? Also ich habe mein Ende für die beiden gefunden...!